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„Die Mauer wurde schon in Prag geöffnet.„
(Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Innen- und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland)

Seit ihrer Eröffnung 1974 hatte die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland DDR-Flüchtlinge beherbergt. 1989 setzt jedoch ein deutlich verstärkter Zustrom ein. Im Botschaftspark kampierten bald 450 Personen. Das Auswärtige Amt schloss deshalb am 23. August 1989 das Botschaftsgebäude. Ein Prager Hotel beherbergte nun die Konsularabteilung der Behörde. Als am 12. September die Ostberliner Rechtsanwälte Wolfgang Vogel (Chef-Unterhändler der DDR in Sachen Häftlingsfreikauf) und Gregor Gysi die diplomatische Vertretung besuchen, kehren 280 Ausreisewillige in die DDR zurück. Doch viele weigern sich kategorisch, das Palais zu verlassen. Am 24. September werden 864 Personen auf dem Gelände gezählt. Das Anwesen ist überfüllt, die Nächte werden kalt und intensive Bemühungen des Botschafters um Ausweichquartiere bleiben erfolglos. Im Park baut das DRK Zelte auf. Die Mahlzeiten kommen aus der Feldküche. Doch am Rande der vom 19. bis zum 27. September in New York tagenden UN-Vollversammlung trafen sich zugleich der damals erkrankte Hans-Dietrich Genscher und Eduard Schewardnadse (Außenminister der Sowjetunion von 1985-1990). Auch mit Oskar Fischer, dem Außenminister der DDR, verhandelt Genscher. Dabei machte Fischer durchaus den Eindruck: „… dass er die Lage sehr realistisch einschätzt …„. Schewardnadse allerdings verspricht Genscher sogar: „Ich helfe Ihnen„. Doch die DDR-Führung bleibt unbeweglich und bei ihrer bisherigen Praxis: Die inzwischen 4 500 Botschafts-Flüchtlinge können nur vom Boden der DDR aus der ostdeutschen Staatsbürgerschaft entlassen werden. Genscher offeriert als mögliche Lösungsvariante, die Flüchtlinge mit Zügen durch die DDR nach Westdeutschland fahren zu lassen. Am 29. September erfährt Genscher, dass die DDR dieser Lösungsvariante zustimmen wird und fliegt noch am gleichen Tag nach Bonn zurück. Er trifft am 30. September um 8.00 Uhr morgens ein und fliegt um 16.00 Uhr weiter nach Prag. 18.58 Uhr betritt Genscher dann den gartenseitigen Balkon des Palais und das darauf Folgende sollte in die Geschichte eingehen: Der Bundesaußenminister eröffnet den Versammelten, dass sie in den Westen dürfen, doch seine kurze Rede wird nach dem Passwort „Ausreise„ von triumphalem Jubel unterbrochen. Sechs überfüllte Züge verlassen noch in der Nacht Prag. Am Vormittag des folgenden Tages passieren sie auf dem Weg nach Hof die Vogtlandmetropole. Couragierte Plauener jubelten, die MfS-Aktenlage bestätigt es, den Zügen zu. Am 1. Oktober um 6.14 Uhr trifft der erste Zug mit 1 210 Flüchtlingen