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Hof und Plauen
Die jahrhundertelangen Beziehungen zwischen den Städten Hof und Plauen werden in der Folge der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges durch die Interzonengrenze nahezu vollständig unterbrochen. Die Zementierung erfährt die Situation scheinbar mit dem 13. August 1961. Das massiv befestigte Grenzregime der DDR bricht die sächsisch-bayerische Landschaft endgültig auseinander. Erst das Jahr 1975 bildet eine „Zäsur“. Blockübergreifend betont die Konvention von Helsinki die Bedeutung von Menschenrechten und Grundfreiheiten. Erich Honecker, Staats- und Parteichef der DDR, unterschreibt Seite an Seite mit Bundeskanzler Helmut Schmidt die Schlussakte. Folgerichtig setzt Anfang der 80er Jahre die Ausreisewelle aus der DDR ein. Nicht wenige Plauener stellen in diesen Jahren bei der „Abteilung Inneres“ einen Antrag auf die „Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR“. Die Staatsmacht entspricht nur sehr notgedrungen und schubweise diesen Anträgen, doch einige Plauener werden so zu Hofer Bürgern. Ende 1982 kollabiert die DDR-Wirtschaft. Der finanzielle Niedergang nötigte die Partei- und Staatsführung, auf Auswege zu sinnen. In der Not wird, Ironie der Geschichte, ein besonderer Exponent des „Klassenfeindes“, der Ministerpräsident Bayerns, Franz Josef Strauß, als Kredit- vermittler und Retter gefunden. 1983 und 1984 erhält Ost-Berlin begehrte DM-Milliarden. Allerdings sind die Strauß-Kredite an Bedingungen geknüpft. Am 16. März 1987 kann der „Hofer Anzeiger“ melden: „In Leipzig grünes Licht für Städtepartnerschaft Hof – Plauen“ und führt weiter aus: „Die Bemühungen der Stadt Hof, ihre Verbindungen mit der DDR-Nachbarstadt Plauen wieder enger zu knüpfen, sind offenbar von Erfolg gekrönt.“ Allerdings gestalten sich die über ein Jahr laufenden Verhandlungen zwischen den Partnerstädten schwierig. Während die Hofer Seite bemüht war, Bürgerkontakte im Vereinbarungstext zu verankern, legte die DDR größten Wert auf die Fixierung plakativer friedenspolitischer Termini und Aktivitäten. Typischer Inhalt der Verträge waren deshalb allgemein-politische Erklärungen über gute Nachbarschaft und Friedenswahrung, Expertengespräche zu kommunalpolitischen Themen, der Schüler- und Jugendaustausch, Kontakte zwischen Vereinen, insbesondere Kultur- und Sportbegegnungen und ein Wechsel von Zeitungen und Zeitschriften. Schließlich fanden vom 3. bis 5. August 1987 abschließende „Verhandlungen über die Aufnahme einer Städtepartnerschaft Plauen – Hof“ statt. Der damalige Plauener Oberbürgermeister Dr. Norbert Martin glaubte darüber zu wissen, dass in den Gesprächen „die substantielle Überlegenheit der DDR-Delegation … spürbar …“ wurde und schränkte zugleich ein: „Unseres Erachtens stellt der nunmehr paraphierte Vertrag einen weitgehenden Kompromiss dar, in dessen Rahmen es mit Einschränkungen gelungen ist, die unsererseits gesteckten Ziele zu erreichen.“
Im Oktober 1987 bestätigten die kommunalen Parlamente in Plauen und Hof den Partnerschaftsvertrag. Unter der Hofer Bevölkerung greift die Hoffnung, es werde gelingen, an die Vorkriegsbeziehungen anzuknüpfen. Der seit 1938 ruhende Ausbau der Autobahn Hof – Plauen soll baldigst fortgesetzt werden. Doch die Ab- hängigkeit der Städtepartnerschaft von der generellen politischen Lage engt die Spielräume deutlich ein. Dementsprechend schlicht fällt auch der 1988er Arbeitsplan aus. Es bleibt bei offiziösem Kultur- und Sportaustausch. Allerdings: Hofer Vereine, Kirchgemeinden und Einzelpersonen nutzen die Möglichkeiten des „Kleinen Grenzverkehrs“ zu Besuchen in Plauen und knüpfen Kontakte. In einer Plauener Gaststätte installieren Plauener und Hofer spontan einen Partnerschafts-Stammtisch, der sich bei Insidern bald großer Beliebtheit erfreute. Hofer Busunternehmen boten nun regelmäßige Besuchsfahrten nach Plauen an. Umgekehrt bemühten sich zahlreiche Plauener um Briefkontakte und Privatunterkünfte für Besuche in Hof. Als dann am 1./2. September 1989 im Hofer Rathaus ein alibitäres „Friedensseminar“ stattfindet, ist das Fanal allerdings nicht mehr fern: Vier Wochen danach fahren die „Prager Züge“ und leiten die tatsächliche Wende ein. Die Plauener Bürger nehmen das Heft nun selbst in die Hand und öffnen mit den Hofern zusammen ein neues Kapitel der alten Partnerschaft. Hofs Oberbürgermeister Dieter Döhla setzte sich in einem Schreiben an seinen Plauener Kollegen für die Anliegen der demonstrierenden Bevölkerung ein, "nicht, weil wir unsere Städtepartnerschaft belasten oder missbrauchen wollen, sondern weil wir auch in schwierigen politischen Zeiten im Geiste dieser Städtepartnerschaft miteinander sprechen müssen" und "in der großen Hoffnung, dass Reformen in Ihrem Staat auch die Menschen unserer beiden Partnerstädte einander näher bringen …“. Dann kam die Grenzöffnung! Hof wurde von Besuchern aus der DDR förmlich überflutet. In drei Tagen wurde im Hofer Stadtgebiet an 300 000 Personen Begrüßungsgeld ausgezahlt. Beinahe ununterbrochen herrschte in Hof ein enormes Verkehrschaos. Den Hofern ist ein Einkauf im eigenen Ort kaum mehr möglich. Auch an den wöchentlichen Demonstrationszügen durch Plauen nehmen seit Weihnachten 1989 viele Franken teil. Die Frage der deutschen Einheit tauchte verständlicher Weise hier gleichfalls sehr früh auf. Als zum 24. Dezember 1989 die Visumpflicht bei Besuchen von Bürgern der Bundesrepublik in der DDR entfiel, setzte auch der „Run“ von Hofern auf Plauen ein. Die Lebensum- stände in der sächsischen Partnerstadt werden jetzt erkundet …

