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Eine Stadt erhebt sich

„Plauen war die erste ostdeutsche Stadt, die einen geeinten Willen zur Wende ausdrückte; sie war die einzige, in der der ostdeutsche Umbruch von Anfang an eine Angelegenheit war, die massenhafte Unterstützung genoss.“

(John Connelly, Professor für Ost- und Mitteleuropäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, „University of California at Berkeley“)

Am Nachmittag des 7. Oktobers versammelten sich, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Flugblätter aufmerksam geworden, auf dem Plauener Theaterplatz und dem damaligen Otto-Grotewohl-Platz zeitweilig etwa 15 000 Menschen. Nachdem Sprechchöre wie „Stasi raus“ oder „Wir bleiben hier“ zu hören waren, rückte die Polizei heran und zwei Wasserwerfer der Berufsfeuerwehr fuhren vom Rathaus aus in die Masse hinein. Die Stimmung heizte sich deshalb noch weiter auf. Wenig später formierte sich die Bürgerschaft dann zu einem Demonstrationszug, der sich über den Otto-Grotewohl-Platz die Bahnhofstraße hinauf bewegte und über die Friedensstraße und die Wilhelm-Pieck-Straße wieder vor das Rathaus zurückfand. Ein Polizeihubschrauber kreiste dabei stetig über dem Areal und Polizeieinheiten riegelten das Rathaus ab. Auch einsatzwillige Mitglieder der Betriebskampfgruppen unterstützen Staat und Partei. Einzig der Plauener Superintendent Thomas Küttler vermochte in dieser prekären Situation tatsächlich zur Deeskalation beizutragen. Er drang ins Rathaus vor und suchte das Gespräch mit den Stadtoberen. Oberbürgermeister Dr. Norbert Martin, selbst nicht bereit, vor die Bürger zu treten, lies deshalb für den Superintendenten ein Megaphon herbeischaffen. Küttler bat, die Demonstration friedlich zu beenden und versprach, sich um vermittelnde Gespräche zu bemühen. Die Einsatzleitung zog daraufhin den Hubschrauber und die Kampfgruppen ab. Gegen 18.00 Uhr verließen schließlich auch die meisten Demonstranten den Innenstadtbereich. Nur Gruppen von Aktivisten blieben noch zurück. Gegen 22.00 Uhr wurden deshalb durch Sicherheitskräfte Teile der Innenstadt abgeriegelt. Es kommt nun zu Gewaltanwendungen und willkürlichen Verhaftungen von Passanten. Die Bilanz der Ereignisse waren rund 15 Verletzte und 57 polizeiliche Zuführungen. Zum 12. Oktober ist der Oberbürgermeister allerdings genötigt, eine Gruppe von 25 Bürgern zum Gespräch einzuladen. Der Rat der Stadt Plauen muss sich nun mit den Forderungen der Bürgerinitiativen auseinandersetzen. Der Mut der Plauener Bürger hatte sich gelohnt.
Bis heute beeindruckt, wie Plauener zum Handeln fanden, mit ihrer großen, friedlichen Massenkundgebung vom 7. Oktober 1989 der politischen Wende vorangingen und damit entscheidend zur Friedlichen Revolution beitrugen. Die Staatsmacht der DDR wagte es angesichts der Massen auf den Straßen des Landes hinfort nicht mehr, Gewalt auf der Straße einzusetzen.